Kritik an Gegengesperrfedern

“Ermuntert durch die sehr zeitgemässe Agitation für Abschaffug des ebenso zwecklosen wie lächerlichen, sogenannten Sekundenzeigers bei Regulateuren, möchte ich die Aufmerksamkeit der Herren Collegen auf eine Neuerung der Lenzkircher Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation lenken, die nicht minder verdient, bald möglichst wieder abgeschafft zu werden. Mit Freude begrüsst wohl jeder College eine Neuerung in unserm Fache, wenn diese einen Fortschritt zeigt oder eine Verbesserung mit sich bringt, was aber leider nicht immer der Fall ist, ja sogar häufig in das Gegentheil umschlägt. Es ist dann nur zu verwundern, dass überderartige unpraktische Sachen so lange Zeit geschwiegen wird, wodurch der Fabrikant zu der Annahme berechtigt ist, durch seine Neuerung etwas wirklich Zweckmässiges geschaffen zu haben. Dies kann, meiner Ansicht nach, wohl nur der einzige Grund sein, weshalb an den sonst guten Regulateuren der Lenzkircher Aktiengesellschaft, die seit etwa 1 bis 2 Jahren angebrachte, höchst mangelhaft wirkende Gegengesperrfeder noch immer nicht der früheren gewichen, oder einer besseren Einrichtung Platz gemacht hat. Meiner unmassgeblichen Ansicht nach ist die auf dem Gegengesperrrade angebrachte, zwischen zwei Schenkeln des Walzenrades wirkende Feder, die einfachste und zugleich practischste. Obgleich nicht Freund davon, dass die Uhren in-allen Theilen vollständig fehlerfrei aus der Fabrik geliefert werden, verdriesst mich bei der Umänderung des oben gedachten Gegengesperres doch jedes Mal dessen fast gänzliche Zwecklosigkeit, und glaube ich mich nicht zu täuschen, mit der Anregung dieses Uebelstandes im Sinne vieler meiner Herren Collegen gehandelt zu haben. Wahrscheinlich hat schon Mancher, wie ich, darauf gehofft, dass sich endlich eine Stimme gegen diese wenig glückliche Neuerung erheben würde.”

Deutsche Uhrmacher-Zeitung 1884 (8. Jahrgang, Nr. 22, Seite 168)